Coinbase stellt sich gegen CLARITY Act – Streitpunkt Renditen auf Stablecoins

Coinbase verweigert dem CLARITY Act im US-Senat erneut die Unterstützung. Auslöser sind die überarbeiteten Bestimmungen zu Stablecoin-Renditen, die passive Erträge allein durch das Halten von Stablecoins untersagen würden. Am 25. März teilte Coinbase Mitarbeitenden des Senats mit, die aktuelle Fassung nicht mittragen zu können, und verwies auf "erhebliche Bedenken" gegen die Yield-Regeln. Bereits im Januar hatte das Unternehmen einen früheren Entwurf abgelehnt und damit eine geplante Abstimmung im Bankenausschuss des Senats ausgebremst. Damit bringt die größte börsennotierte Krypto-Börse der USA das zentrale Gesetzesvorhaben zur Marktstruktur im Kryptosektor innerhalb von drei Monaten zum zweiten Mal ins Wanken. Im Kern geht es um ein milliardenschweres USDC-Geschäft. Coinbase erzielte 2025 rund 1,35 Mrd. US-Dollar Umsatz im Stablecoin-Segment, davon 355 Mio. US-Dollar allein im dritten Quartal. Ein Großteil stammt aus einem Distributionsabkommen mit Circle, dem Emittenten des Stablecoins USDC. Die Mechanik erklärt die harte Linie: USDC, der direkt auf der Coinbase-Plattform gehalten wird, bringt der Börse 100% der Reserveerträge. Liegt USDC außerhalb der Plattform, teilen Circle und Coinbase die Erlöse jeweils zur Hälfte. 2024 zahlte Circle insgesamt 908 Mio. US-Dollar an Coinbase – bei gesamten Distributionskosten von 1,01 Mrd. US-Dollar. Coinbase hält inzwischen etwa 20 bis 22% des gesamten USDC-Umlaufs, nach 5% im Jahr 2022. Ein Verbot passiver Stablecoin-Renditen würde dieses Modell unmittelbar treffen, weil die Reserveerträge auf den Zinsen aus den USDC-Reserven beruhen. Der Widerstand ist damit vor allem ökonomisch begründet. Ein parteiübergreifender Kompromiss scheitert an Coinbase Die Senatoren Thom Tillis (Republikaner) und Angela Alsobrooks (Demokraten) hatten am 10. März einen Kompromiss zu Stablecoin-Renditen vorgestellt. Am 20. März bestätigten beide eine vorläufige Einigung, die auch vom Weißen Haus unterstützt wurde; aus der Branche hieß es, das Thema sei zu "99%" gelöst. Der Ansatz trennt zwischen passiven und aktiven Erträgen: Passives Yield allein durch das Halten eines Stablecoins fiele unter das Verbot. Aktivitätsbasierte Anreize, etwa für Zahlungen oder Transaktionen, blieben zulässig. Für diese Unterscheidung hatten Banklobbyisten gedrängt, weil passive Stablecoin-Renditen Einlagen aus dem klassischen Bankensystem abziehen könnten. Coinbase steht mit seiner Position zunehmend allein. Andere Schwergewichte wie Ripple, Andreessen Horowitz und Kraken unterstützen den Gesetzentwurf. Senatorin Cynthia Lummis hatte sich zwar für den Schutz von Stablecoin-Rewards eingesetzt, der parteiübergreifende Kompromiss fand dennoch breite Rückendeckung. CEO Brian Armstrong machte die Linie des Unternehmens bereits im Januar deutlich: Lieber kein Gesetz als eines, das Stablecoin-Renditen einschränkt. Zweite Blockade binnen drei Monaten Coinbase hatte schon im Januar eine frühere CLARITY-Fassung abgelehnt. Die für den 16. Januar geplante Markup-Sitzung im Bankenausschuss des Senats fand daraufhin nicht statt, die Verhandlungen stockten wochenlang. Der CLARITY Act soll einen föderalen Rahmen für Kryptowährungen in den USA schaffen und die Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC formal aufteilen. Das Repräsentantenhaus verabschiedete seine Version im Juli 2025; im Senat kommt das Verfahren seither kaum voran. Neben der Debatte um Stablecoin-Yields belasten weitere Konfliktlinien die Gespräche. Demokraten fordern Ethikregeln, die Politiker daran hindern sollen, aus Krypto-Engagements zu profitieren; Republikaner lehnen das ab. Parallel verhandelt der Senat über einen Änderungsantrag zum GENIUS Act zur Stablecoin-Regulierung – auch dort berühren Yield-Regeln dieselbe Grundsatzfrage. Der Zeitdruck steigt. Nach der Osterpause, die am 13. April endet, wird in der zweiten Aprilhälfte mit einem Markup im Bankenausschuss gerechnet. Als informelle Deadline gilt Mai 2026; danach dürfte der Wahlkampf zu den Midterms die Agenda dominieren. Coinbase setzt damit auf maximale Verhandlungsmacht, um die Yield-Regeln zu seinen Gunsten zu verändern – und riskiert zugleich, dass der CLARITY Act insgesamt scheitert. Für das Unternehmen wäre das Ergebnis ambivalent: Kurzfristig schützt ein regulatorisches Vakuum das bestehende USDC-Geschäft, langfristig verhindert es die institutionelle Klarheit, von der Coinbase profitieren würde.