Bitcoin-Kapitulation: Realisierte Verluste von 1,35 Mrd. US-Dollar pro Tag – Langfristhalter verkaufen
Glassnode zufolge hat der jüngste Bitcoin-Einbruch eine ausgeprägte Kapitulationsphase ausgelöst: Die realisierten Verluste auf der Blockchain schnellten im Gleichlauf mit dem Kursrückgang auf rund 1,35 Mrd. US-Dollar pro Tag.
Im Fokus steht dabei die Kennzahl "Realized Loss", die die in US-Dollar bewerteten Verluste aggregiert, die Investoren beim Verkauf tatsächlich fixieren. Den größten Anteil trugen diesmal Langfristhalter (Long-Term Holders, LTHs) – also Adressen, die Coins länger als 155 Tage halten. Auf sie entfielen laut Bericht etwa 770 Mio. US-Dollar der täglichen Verluste. Kurzfristhalter (Short-Term Holders, STHs, <155 Tage) verkauften ebenfalls, waren in dieser Episode aber nicht die treibende Kraft.
Im Vergleich zu früheren Kapitulationen sind solche Spitzen bei realisierten Verlusten in starken Drawdowns typisch. Glassnode verweist auf ähnliche Ausschläge während der Crashs im November und Februar. Diese Ereignisse fielen insgesamt größer aus, weil die Kursrückgänge tiefer waren. Auffällig ist diesmal die Rollenverteilung: In den Kapitulationen im November und Februar dominierten vor allem STHs als jüngere Marktteilnehmer. Der aktuelle Ausverkauf ist ungewöhnlich, weil LTHs die Verkäufe anführten – darunter viele, die vor Januar 2026 nahe den Hochs des Bullenmarkts 2025 gekauft hatten.
Glassnode ordnet das Muster als Bestandteil reifender Bärenmärkte ein: Die Kapitulation von Langfristhaltern, bei der Angebot zu niedrigeren Preisen in neue Hände übergeht, sei ein wiederkehrendes und notwendiges Element bei der Bodenbildung. Das derzeitige Tempo der Verlustrealisierung deute allerdings darauf hin, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist.
Zusätzlichen Druck lieferte der Terminmarkt. Der Kursrutsch löste eine große Welle an Derivate-Liquidationen aus, überwiegend Long-Liquidationen. Historisch können großvolumige Long-Liquidationen mit lokalen Erschöpfungspunkten zusammenfallen, wenn erzwungene Verkäufe in den Derivatemärkten Kaskaden auslösen und schwächere Positionen aus dem Markt drängen.
Zum Zeitpunkt des Berichts notierte Bitcoin bei rund 65.500 US-Dollar, ein Minus von mehr als 12% in den vergangenen sieben Tagen.
Ein von LTHs getriebener Ausverkauf gilt als mehr als kurzfristige Panik: Er signalisiert, dass länger gehaltene Positionen mit Verlust glattgestellt werden, was Angebot umverteilen und eine Bodenbildung begünstigen kann. Glassnode betont zugleich, dass daraus keine unmittelbare Erholung abzuleiten ist. Fazit: Realisierte Verluste von 1,35 Mrd. US-Dollar pro Tag und eine unerwartet starke Beteiligung von Langfristhaltern liefern ein wichtiges Signal, das Trader und Investoren im laufenden Zyklus eng beobachten dürften.