Taiwan überholt Indien als fünftgrößten Aktienmarkt – getrieben von TSMCs KI-Rally

Taiwans Aktienmarkt hat bei der Marktkapitalisierung erstmals Indien überholt. Die Börsenbewertung stieg auf 4,95 Billionen US-Dollar und lag damit knapp vor Indiens 4,92 Billionen US-Dollar. Den Sprung auf Rang fünf in der globalen Aktienmarkt-Rangliste verdankt Taiwan vor allem einem Titel: Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC). TSMC bringt es je nach Bewertungsspanne auf 1,8 bis 2,1 Billionen US-Dollar Marktkapitalisierung und stellt damit rund 42% bis 45% des wichtigsten taiwanischen Aktienbarometers. Mit einem Plus von 49% seit Jahresbeginn zog Taiwan an ganzen Volkswirtschaften vorbei. Die aktuelle Reihenfolge der größten Aktienmärkte lautet: USA, China, Japan, Hongkong, Taiwan, danach Indien. Taiwan hatte Mitte April bereits das Vereinigte Königreich (rund 4,13 Billionen US-Dollar) hinter sich gelassen und später im selben Monat Kanada überholt. Weniger als einen Monat danach folgte der Sprung an Indien vorbei – die dritte Überholung in kurzer Zeit. Indien hatte Rang fünf länger gehalten, gestützt durch jahrelang starke Zuflüsse internationaler Investoren. Zuletzt trübte sich das Bild ein: Ausländische Portfoliokapitalgeber ziehen Mittel ab, das Gewinnwachstum in wichtigen Sektoren hat nachgelassen, und Indiens Wirtschaft ist nur begrenzt direkt in die KI-Lieferkette eingebunden, die derzeit die Renditen in Taiwan prägt. TSMC fertigt die fortschrittlichsten Halbleiter, die etwa Nvidia’s Rechenzentrums-GPUs ebenso antreiben wie Apples neueste Prozessoren. Mit dem Boom bei KI-Workloads ist die Nachfrage nach TSMCs modernsten Fertigungsknoten stark gestiegen. Das Kursplus von 49% bei einem Konzern dieser Größenordnung wird am Markt als strukturelles Signal gelesen: Investoren preisen ein Szenario ein, in dem die Nachfrage nach KI-Hardware weiter kumuliert – und TSMC als Engpass der Lieferkette eine Schlüsselrolle einnimmt. Gleichzeitig wächst das Konzentrationsrisiko. Wenn eine einzelne Aktie mehr als 40% eines nationalen Leitindex ausmacht, kann schon eine Abschwächung der KI-Investitionen oder eine Zuspitzung geopolitischer Spannungen rund um die Taiwanstraße die Rangfolge ebenso schnell wieder drehen, wie sie zuletzt nach oben kletterte. Für Anleger ist entscheidend: Microsoft, Google, Amazon und Meta haben hohe Ausgabenprogramme für KI-Infrastruktur in Aussicht gestellt. Diese Mittel fließen entlang der Wertschöpfungskette zu Chipentwicklern und letztlich in TSMCs Fertigungskapazitäten. Indiens relativer Rückgang unterstreicht zudem, dass Märkte ohne tiefe Verankerung in der KI-Lieferkette derzeit schwerer globales Kapital anziehen und halten können. Die Kapitalabflüsse aus Indien deuten darauf hin, dass einige Allokatoren aus breiten Wachstumsnarrativen in fokussierte Halbleiter-Positionierungen umschichten. Taiwans Gewicht im globalen Marktgefüge ist damit so groß, dass jede Eskalation der Spannungen über die Taiwanstraße weit über Taipeh hinaus Schockwellen auslösen könnte. Ein nahezu 5 Billionen US-Dollar schwerer Aktienmarkt, der sich stark auf das strategisch wichtigste Unternehmen der Halbleiterindustrie konzentriert, ist zugleich eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte und eine Quelle systemischer Risiken, die internationale Investoren nicht mehr ignorieren können.