Iran-Spannungen und ETF-Abflüsse lösen breiten Krypto-Ausverkauf aus
Der Kryptomarkt hat am Donnerstag insgesamt nachgegeben. Bitcoin rutschte zwischenzeitlich unter 73.000 US-Dollar, Ethereum fiel unter die Marke von 2.000 US-Dollar.
CoinDesk zufolge trafen zwei Belastungsfaktoren zusammen: erneut aufflammende Spannungen im Nahen Osten sowie anhaltend hohe Mittelabflüsse aus US-Spot-Bitcoin-ETFs. Die fortgesetzten Rückgaben verstärken den Verkaufsdruck. Nach Datenlage verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs am Dienstag einen Nettoabfluss von 733,4 Mio. US-Dollar – der höchste Tagesabfluss seit Ende Januar. Zusammen mit dem Nettoabfluss von 333,6 Mio. US-Dollar am Montag summieren sich die Abflüsse in zwei Tagen auf mehr als 1 Mrd. US-Dollar. Seit dem 15. Mai gab es bei Bitcoin-Spot-ETFs acht Handelstage in Folge Nettoabflüsse von insgesamt über 2,6 Mrd. US-Dollar. Im selben Zeitraum meldeten auch Ethereum-Spot-ETFs Nettoabflüsse von 67 Mio. US-Dollar.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag Bitcoin bei rund 73.260 US-Dollar, ein Minus von etwa 3,4% in 24 Stunden und der tiefste Stand seit fast sechs Wochen. Ethereum notierte bei etwa 1.983 US-Dollar und fiel damit erstmals seit April wieder unter 2.000 US-Dollar; der Rückgang seit Jahresbeginn weitete sich auf rund 33% aus. Auch andere große Token standen unter Druck, Solana verlor rund 4%. HYPE, einer der bisherigen Top-Performer des Jahres, gab trotz weiterhin moderater Nettozuflüsse in den zugehörigen ETF heute um etwa 10% nach.
Zusätzliche Volatilität kam durch den Terminmarkt: Rund 6,25 Mrd. US-Dollar an Krypto-Optionen liefen heute aus, wobei das größte Open Interest in der Nähe von 75.000 US-Dollar lag.
Parallel belastete die Eskalation der Lage im Iran die Risikostimmung. Riskante Anlagen zeigten sich insgesamt schwächer, US-Aktienfutures gaben nach, Nasdaq-Futures fielen um etwa 0,5%, während die Ölpreise um rund 2% zulegten. Kryptowährungen verloren stärker und unterstrichen damit ihre höhere Sensitivität gegenüber Schwankungen der Risikoneigung.
Trotz des aktuellen Preisdrucks erwartet Jefferies weiterhin, dass die Gesamtmarktkapitalisierung börsennotierter kryptobezogener Unternehmen auf 1 Bio. US-Dollar steigen kann, da mehr Krypto-Firmen Börsengänge anstreben. Als mögliche IPO-Kandidaten nennt das Haus unter anderem Payward (Muttergesellschaft von Kraken), Securitize, Blockchain.com und Gemini.
Weitere Meldung der Woche: US-Staatsanwälte legten zudem einen Insiderhandelsfall mit Bezug zu Polymarket offen. Ein Google-Sicherheitsingenieur soll nicht öffentliche Suchdaten genutzt haben, um Wetten zu platzieren und rund 1,2 Mio. US-Dollar Gewinn erzielt zu haben. Polymarket arbeitet zudem an einer Ausweitung verpflichtender KYC-Maßnahmen, um dem steigenden regulatorischen Druck zu begegnen.