Visa kooperiert mit WeFi: Digitalwerte sollen ins Zahlungsnetz eingebunden werden
Visa arbeitet mit WeFi zusammen, einem als "Onchain-Bank" positionierten Anbieter unter Mitgründung des früheren Tether-CEO Reeve Collins. Ziel ist es, Zahlungen mit digitalen Vermögenswerten über Visa zu ermöglichen, ohne dass Nutzer ihre Kryptowährungen auf zentralisierten Börsen verwahren müssen.
WeFi setze auf Self-Custody-Wallets, bei denen Anwender ihre eigenen Schlüssel kontrollieren, erklärte Collins gegenüber The Block. Nutzer behielten damit die Hoheit über ihre Bestände und könnten sie dennoch überall dort für Zahlungen einsetzen, wo Visa akzeptiert werde. Viele Menschen wollten ihre Mittel selbst kontrollieren, statt sie auf Börsen zu belassen oder private Schlüssel aus der Hand zu geben, so Collins.
Zum Start prüfen beide Unternehmen, wie WeFi's Onchain-Banking-Infrastruktur in das Visa-Netzwerk eingebunden werden kann, um in "bestimmten Märkten" Stablecoin-basierte Zahlungen zu ermöglichen. Mathieu Altwegg, Head of Products and Solutions bei Visa Europe, erklärte, Visa wolle neue Digital-Asset-Modelle mit vertrauten Zahlungserlebnissen verbinden und sie im großen Maßstab praktikabel machen. Die Partnerschaft zeige, wie Visas globales Netzwerk mit Onchain-Modellen zusammenwirke.
Die Kooperation reiht sich in eine wachsende Zahl von Bündnissen zwischen etablierten Zahlungsnetzwerken und Digital-Asset-Unternehmen ein, darunter Börsen und Wallet-Anbieter, die Krypto-Besitzern das Bezahlen mit ihren Beständen ermöglichen wollen. Im Vormonat hatten Visa und Mastercard über Stripe's Stablecoin-Unternehmen Bridge angekündigt, ihr Stablecoin-Geschäft auszuweiten und Kartenprodukte in mehr als 100 Ländern herauszugeben.
Collins, Mitgründer und Chairman von WeFi, sagte, Nutzer betrachteten Kryptowährungen häufig als Spar- oder Anlagevermögen, während Stablecoins eher die Funktion eines Girokontos erfüllten. Laut seinem LinkedIn-Profil war er Mitgründer von Tether und bis 2015 dessen CEO. Tether ist der Emittent von USDT, dem weltweit größten Stablecoin.
Maksym Sakharov, Mitgründer und CEO von WeFi, erklärte gegenüber The Block, die meisten Integrationen behandelten Stablecoins als reine Finanzierungsquelle, die nur bei Bedarf umgewandelt werde. Bei WeFi seien Stablecoins dagegen direkt in die zugrunde liegende Infrastruktur eingebettet und Teil eines einheitlichen Saldos. Nutzer müssten keine Konvertierungen managen oder mit getrennten Systemen interagieren; die Abwicklung laufe im Hintergrund, das Nutzungserlebnis entspreche anderen Zahlungsarten.
Der Rollout soll schrittweise nach Regionen erfolgen: zunächst in ausgewählten Märkten in Europa, Asien und Lateinamerika, danach abhängig von regulatorischen Genehmigungen und weiteren Partnerschaften in zusätzlichen Märkten.