Wintermute: Bitcoin findet bei 75.000–76.000 US-Dollar entscheidende Unterstützung – Marktstruktur noch nicht vollständig beschädigt
Laut BlockBeats erklärte Wintermute am 26. Mai, das makroökonomische Umfeld habe sich in der vergangenen Woche deutlich aufgehellt. Brent-Rohöl fiel infolge nachlassender Iran-Spannungen um 9%, die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen sank auf 4,50% und US-Aktien stiegen die achte Woche in Folge auf neue Rekordstände. Das habe den energiegetriebenen Inflationsdruck spürbar entschärft.
Auf Verbraucherseite bleibt die Lage angespannt. Der Consumer-Sentiment-Index der University of Michigan rutschte auf ein historisches Tief von 44,8, während die Einjahres-Inflationserwartung auf 4,8% kletterte. Gleichzeitig erreichte der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im Mai ein Vierjahreshoch, und die Inputkosten stiegen auf den höchsten Stand seit 2022 – ein Signal für wieder anziehende Güterinflation. Auch das Protokoll der Fed-Sitzung im April deutete an, dass bei hartnäckiger Inflation weitere Straffungen erforderlich sein könnten. Diese hawkische Lesart sei aus Sicht von Wintermute noch nicht vollständig in den Marktpreisen reflektiert.
Im Technologiesektor lieferte NVIDIA ein als "explosiv" bezeichnetes Zahlenwerk: Der Umsatz im 1. Quartal lag bei 81,6 Mrd. US-Dollar (+85% gegenüber Vorjahr), das Data-Center-Geschäft wuchs um 92%. Zudem kündigte das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm über 80 Mrd. US-Dollar sowie eine Dividendenerhöhung um 25% an. Besonders auffällig: Der Ausblick für Q2 unterstellt implizit null Umsatz aus chinesischen Rechenzentren – ein Hinweis auf noch stärkere zugrunde liegende KI-Nachfrage. Der Markt reagierte dennoch ungewöhnlich verhalten, die Aktie bewegte sich nachbörslich kaum. Wintermute wertet das als Zeichen, dass KI-Trades in eine "perfekt eingepreiste" Phase eingetreten sind, in der selbst positive Überraschungen kaum noch Momentum erzeugen.
Das sei ein Warnsignal für Risikoanlagen einschließlich Krypto: Sollte die KI-Dynamik nachlassen, könnten schwacher Konsum, anhaltende Inflation und eine potenziell straffere US-Notenbank wieder die Erzählung an den Märkten bestimmen. Während US-Aktien Stärke zeigen, hinkt der Kryptomarkt klar hinterher. Bitcoin notiert um 76.000 US-Dollar, Ether ist auf 2.140 US-Dollar gefallen – beide folgten der Rally bei Risikoassets nicht.
In den vergangenen zwei Wochen summierten sich die Abflüsse aus BTC-Spot-ETFs auf mehr als 2 Mrd. US-Dollar. Das deute auf eine klare Abkühlung institutioneller Zuflüsse hin; die marginale Risikobereitschaft verlagere sich eher zurück zu KI-Aktien als zu Kryptoassets. Das ETH/BTC-Verhältnis schwächte sich weiter ab und erreichte ein 10-Monats-Tief.
Unter den wenigen Ausreißern nach oben sticht HYPE hervor: Ein ETF verzeichnete an einem Tag Zuflüsse von 25,5 Mio. US-Dollar, zugleich gebe es Anzeichen für fortgesetzte Akkumulation durch große institutionelle Wallets.
Wintermute betont, die Marktstruktur habe sich noch nicht vollständig verschlechtert: Langfristige Halter akkumulieren weiterhin, und die Bestände auf Börsen bleiben niedrig. Kurzfristig kursbewegende Kapitalflüsse seien jedoch ins Negative gedreht. Als zentrale Unterstützung für BTC gilt aktuell die Zone zwischen 75.000 und 76.000 US-Dollar. Bei einem Bruch könne der Markt zügig die Spanne von 70.000 bis 72.000 US-Dollar testen. Hält die Unterstützung, bleibt Potenzial für einen erneuten Anlauf auf 80.000 US-Dollar.