CFTC legt ersten bundesweiten Regulierungsrahmen für Sportwetten über Prognosemärkte vor

Die US-Aufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat in der jungen, von Konflikten geprägten Geschichte der Prognosemärkte einen weitreichenden Schritt gemacht. Am 10. Juni stellte die Behörde erstmals einen umfassenden Entwurf für bundesweite Regeln zu sogenannten Event Contracts vor, die auf registrierten Prognosemarkt-Plattformen gehandelt werden. Der Entwurf erfasst ausdrücklich auch Kontrakte mit Sportbezug. Was der Entwurf erlaubt und was nicht Die geplanten Vorgaben legen fest, welche Arten sportbezogener Kontrakte auf bei der CFTC registrierten Plattformen zulässig sind. Erlaubt wären Abrechnungen auf allgemeine Ergebnisse, Endstände, Punktdifferenzen (Point Spreads) sowie Team-Statistiken. Beispiele wären Fragen wie "Gewinnen die Lakers Spiel 7?" oder "Trifft das Over/Under von 48,5 im Super Bowl?". Untersagt würden Kontrakte, die an Spieler-Verletzungen anknüpfen, ebenso Wetten mit Bezug zu Krieg, Terrorismus oder Attentaten. Zudem will die CFTC eine breite Kategorie von aus ihrer Sicht "manipulationsanfälligen" Wetten ausschließen. Auch "First-Pitch"-Gambling, ein Nischenbereich im Baseball-Umfeld, soll nicht zulässig sein. Adressaten sind CFTC-designierte Contract Markets (DCMs). Kalshi und Polymarket US gelten als DCMs und wären damit besonders direkt betroffen. Warum jetzt – und warum in dieser Form Es ist nicht der erste Regulierungsanlauf der CFTC bei Event Contracts. Frühere Entwürfe unter einer vorherigen Führung zielten auf deutlich stärkere Einschränkungen des Marktbetriebs und wurden später zurückgezogen. Der Kurswechsel wird mit dem Vorsitzenden Michael Selig verbunden, der Ende 2025 bestätigt wurde und Innovationen an den Finanzmärkten ausdrücklich zur Priorität erklärt hat. Unter Selig entwickelte sich die Haltung der Behörde von Skepsis hin zu einer strukturierten Zulassung unter klaren Regeln. Mehrere US-Bundesstaaten stellen die Zuständigkeit der CFTC für Event Contracts in Frage. Verfahren in Ohio und Arizona prüfen, ob das Bundesrecht im Rohstoff- und Derivatebereich die Glücksspielregeln der Bundesstaaten verdrängt. Die CFTC beruft sich dabei auf den Commodity Exchange Act und argumentiert, es handele sich um Finanzinstrumente und nicht um Casino-Wetten – damit falle die Regulierung in ihre ausschließliche Zuständigkeit. Bedeutung für Investoren und Trader Ein klarer Bundesrahmen kann das Rechtsrisiko für Plattformen reduzieren, die bundesstaatenübergreifend operieren. Sollte es der CFTC gelingen, eine exklusive Bundeszuständigkeit durchzusetzen, würde sich das heutige Nebeneinander teils widersprüchlicher Landesregeln erheblich vereinfachen. Mit der Abgrenzung zwischen erlaubten und verbotenen Kontrakten liefert die CFTC den Plattformen faktisch eine Produktliste: Sportkontrakte zu Ergebnissen, Scores und Statistiken wären grundsätzlich freigegeben. Offen bleibt der Ausgang der Prozesse auf Bundesstaatenebene. Sollten Gerichte in Ohio, Arizona oder anderswo entscheiden, dass die CFTC keine Vorrangwirkung gegenüber den Glücksspielgesetzen der Staaten hat, könnte der praktische Einfluss der neuen Regeln deutlich schrumpfen. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem den Verbotskategorien. Der Begriff "manipulationsanfällig" ist auslegungsbedürftig; Plattformen dürften versuchen, die Grenzen dessen, was darunter fällt, auszuweiten. Der nächste Meilenstein ist die öffentliche Konsultationsphase zum Entwurf. Wie die Branche reagiert und ob die CFTC ihren Ansatz nach dem Feedback anpasst, wird mitentscheiden, ob Prognosemärkte zu einem regulierten Baustein der US-Finanzmarktinfrastruktur werden – oder im Zuständigkeitsstreit stecken bleiben.