CLARITY Act stößt im Senat auf zwei Hürden – nur noch 31 Sitzungstage bis zur Augustpause
BlockBeats, 11. Juni: Das Gesetzespaket zur Marktstruktur für Kryptowährungen (Cryptocurrency Market Structure Act, auch als CLARITY Act bekannt) gerät im US-Senat gleich an zwei Fronten unter Druck. Am Dienstag blieb ein nicht-öffentliches Treffen einer parteiübergreifenden Senatorengruppe mit Patrick Witt, dem Exekutivdirektor der Crypto Task Force des Weißen Hauses, ohne Ergebnis.
Für zusätzlichen Streit sorgt eine kurz zuvor gekippte Vorab-Einigung zu Ethikregeln. Republikaner und das Weiße Haus nahmen eine Passage zurück, die es Generalstaatsanwälten einzelner Bundesstaaten ermöglicht hätte, das Justizministerium (Department of Justice, DOJ) wegen mangelhafter Durchsetzung zu verklagen. Juristen verweisen darauf, dass ein solcher Zwangsmechanismus gegenüber dem DOJ über die Bundesstaaten verfassungsrechtlich kaum tragfähig sei. Stattdessen brachten Republikaner eine Lösung ins Spiel, die Durchsetzungsbefugnisse auf Bundes-Justizbehörden beschränkt und Rechenschaftspflichten durch ein Impeachment-Instrument ersetzt. Demokratische Senatoren bewerten das als vollständige Kehrtwende; die Gespräche sind festgefahren, eine weitere Runde wird für Donnerstag erwartet.
Die demokratischen Senatoren Gallego und Alsobrooks knüpfen ihre Zustimmung an harte Ethik-Schutzmechanismen, die sich ausdrücklich auf Trumps Krypto-Geschäftsinteressen beziehen. Reuters schätzt, dass diese Aktivitäten seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus rund 2,3 Milliarden US-Dollar für Trump und seine Familie eingebracht haben.
Als zweite große Hürde gilt der Widerstand von Strafverfolgungsbehörden gegen Section 604 (Blockchain Regulatory Certainty Act). Die Vorschrift würde Entwickler nicht-verwahrender Software (noncustodial) ausdrücklich von einer Haftung für die Nutzung ihres Codes durch Dritte ausnehmen. Ermittler befürchten, dass dies Untersuchungen zu Onchain-Delikten wie Geldwäsche erschweren könnte. Am Mittwoch will das Crypto Committee des Weißen Hauses Vertreter der Sheriff's Association, der Police Brotherhood sowie Behörden wie DOJ, Finanzministerium (Treasury Department) und FinCEN zusammenbringen, um den Passus zu beraten. Regierungsvertreter wollen dabei betonen, dass die Klausel keinen Schutzraum für Kriminelle schafft. Die Senatoren Warner und Cortez Masto erklärten, sie würden das Gesetz nicht unterstützen, solange die Bedenken der Strafverfolger nicht hinreichend berücksichtigt sind.
Für das Vorhaben läuft die Zeit: Vor der Augustpause bleiben dem Senat nur noch 31 Sitzungstage. Am Markt gilt das als informelle Frist, um das Gesetz noch vor den Midterm-Wahlen zu verabschieden.
Parallel dazu befasste sich am Dienstag der Finanzausschuss des Repräsentantenhauses (House Ways and Means Committee) in einer Anhörung mit der Besteuerung von Kryptowährungen. Diskutiert wurden sechs republikanisch geführte Gesetzesinitiativen sowie ein Diskussionsentwurf, unter anderem zu Mining, zur steuerlichen Behandlung von Staking-Erträgen und zu freiwilligen Offenlegungsprogrammen. Offen bleiben Themen wie ein Mindestausnahmeschwellenwert für kleine Bitcoin-Transaktionen, DeFi und internationale Steuerrahmen.
Nach Angaben von PolyBeats liegt die von Polymarket abgeleitete Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act noch in diesem Jahr verabschiedet wird, aktuell bei 48%.