Schwab baut Krypto-Angebot aus: Solana, Avalanche und Chainlink sollen folgen
Charles Schwab will sein Angebot "Schwab Crypto" in den kommenden Monaten um drei weitere Token erweitern. Wie das Unternehmen am 27. August mitteilte, sollen Solana (SOL), Avalanche (AVAX) und Chainlink (LINK) zusätzlich zu Bitcoin und Ethereum auf der US-Retail-Plattform handelbar werden. Einen konkreten Starttermin nannte Schwab nicht; offen blieb auch, ob alle drei Assets gleichzeitig freigeschaltet werden oder gestaffelt wie bei der Einführung der ersten Krypto-Produkte.
Mit der Erweiterung wächst das Direkt-Handelsmenü von zwei auf fünf Assets (BTC, ETH, SOL, AVAX, LINK). Schwab begründete die Auswahl mit Kundeninteresse und dem etablierten Marktprofil der Token, veröffentlichte aber weder vollständige Auswahlkriterien noch Angaben zu möglichen Handelslimits. Joe Vietri, Leiter Digital Assets bei Schwab, erklärte, man wolle Kunden "mehr Auswahl" bieten, um eine Digital-Asset-Allokation in die gewohnte Anlage- und Banking-Umgebung bei Schwab einzubetten.
Abwicklung, Verwahrung, Gebühren
Der Krypto-Handel bei Schwab erfolgt über Paxos für Ausführung und Sub-Custody; die Kundenassets werden bei der Schwab Premier Bank gehalten. Seit dem Start des Direkt-Handels Anfang 2026 liegt die Transaktionsgebühr bei 75 Basispunkten (0,75%) und bleibt unverändert. Damit positioniert sich Schwab unter der bei Fidelity berichteten Gebühr von rund 1% und über dem E*Trade-Pilot von Morgan Stanley mit 0,5%. Krypto-Bestände werden in Schwab.com, der Schwab-Mobile-App und in thinkorswim neben Aktien, Anleihen und ETFs angezeigt.
Zugang, Transfers und offene Punkte
Schwab betonte, dass künftige Listings von der Nachfrage abhängen und im Zeitverlauf weitere Assets folgen sollen, nannte aber keine konkreten Kandidaten. Nicht erwähnt wurden Token, die Nutzer öffentlich eingefordert haben, etwa XRP, Hyperliquid oder Zcash; ob regulatorische, Liquiditäts- oder andere Gründe für das Ausbleiben maßgeblich sind, ließ Schwab offen.
Der Dienst startete ohne Ein- und Auszahlungen von externen Wallets oder Plattformen. Schwab teilte mit, dass Krypto-Transfers bereits getestet werden; perspektivisch könnte damit die Übertragung geeigneter Assets zwischen dem Brokerage und externen Anbietern möglich werden. Unklar bleibt, ob zum Start von SOL, AVAX und LINK Staking, On-Chain-Auszahlungen oder Einzahlungen unterstützt werden.
Schwab Crypto ist weiterhin nicht verfügbar für Kunden in New York, Louisiana, US-Territorien sowie außerhalb der USA. Das Unternehmen äußerte sich nicht dazu, ob sich die geografische Verfügbarkeit mit der Erweiterung ändern wird. Kunden müssen ein separates Schwab-Crypto-Konto eröffnen, das mit der bestehenden Schwab-Beziehung verknüpft ist; die Verwahrung erfolgt über Schwab Premier Bank und die zugehörige Infrastruktur, nicht als Self-Custody.
Pläne für Berater und Institutionelle
Parallel arbeitet Schwab an Digital-Asset-Services für registrierte Investmentberater (RIAs). Ein Rollout zur Mitte 2027 wird für Spot-Handel, Transfers und Verwahrung geprüft, wobei Schwab darauf hinwies, dass sich der Zeitplan verschieben kann. Viele Berater nutzen bislang Krypto-ETPs für die Kundenausrichtung; CEO Rick Wurster zufolge hielten Kunden über Schwab rund 25 Mrd. US-Dollar in Krypto-ETPs.
Größe, Wettbewerb und Marktreaktion
Zum Ende des zweiten Quartals meldete Charles Schwab 13,1 Bio. US-Dollar an Kundenvermögen und 39,8 Mio. aktive Brokerage-Konten. Der Quartalsumsatz lag bei 7,1 Mrd. US-Dollar (+21% gegenüber Vorjahr), die durchschnittlichen täglichen Trades stiegen um 57% auf 11,9 Mio. Damit verfügt Schwab über eine große Kundenbasis, die als bedeutender Zugang zu Krypto für Anleger dienen könnte, die kein separates Börsenkonto eröffnen möchten. Ein früherer E*Trade-Pilot umfasste Solana neben Bitcoin und Ethereum, ein Präzedenzfall, der Schwabs Entscheidung beeinflusst haben könnte. Morgan Stanleys E*Trade nutzt Zerohash als Infrastruktur, Schwab setzt auf Paxos.
An den Märkten folgte eine schnelle Reaktion: Solana notierte nach der Mitteilung bei etwa 104,84 US-Dollar, mehr als 9% höher binnen 24 Stunden, bei einer Tageshandelsspanne von rund 95,23 bis 105,55 US-Dollar und einem gemeldeten Volumensprung von etwa 70%. Avalanche legte innerhalb einer Stunde um etwa 2% zu. Chainlink stieg um mehr als 2% kurzfristig und um über 5% auf 24-Stunden-Sicht. Die allgemeine Stärke des Kryptomarkts dürfte die Bewegung mit beeinflusst haben, sodass sich die Kursgewinne nicht eindeutig allein der Schwab-Nachricht zuschreiben lassen.
Einordnung
Für US-Privatanleger eröffnet Schwab damit einen weiteren regulierten, bankgestützten Weg, SOL, AVAX und LINK über dieselbe Plattform wie Aktien und Fonds zu kaufen. Der Zugang kommt nicht sofort, und zentrale Betriebsdetails bleiben offen. Weitere Listings sollen sich an der Kundennachfrage orientieren. Beobachtet wird zudem, ob Schwab Transfers breiter freischaltet, Staking ergänzt oder die geografische Verfügbarkeit ausweitet, während das Krypto-Angebot reift.